Alles nur geklaut! Bloggen und das Risiko von Plagiarismus

Es gibt da eine Begebenheit, die habe ich euch lange vorenthalten. Aber heute denke ich, dass ich sie einfach mal niederschreiben und veröffentlichen sollte.Wer hier schon länger mitliest, erinnert sich sicherlich an unsere Lapplandreise 2017, über die ich ausführlich berichtet habe. Im Vorfeld unserer Lapplandreise hatte ich aus der heimischen Stadtbibliothek einen Reiseführer eines etablierten deutschen Reiseführerverlags über Nordskandinavien ausgeliehen.

Zu Hause blätterte ich den Reiseführer durch und blieb hängen beim Thema „Vegetarisch und vegan essen“, da mich dieses naturgemäß interessiert. Als ich den Abschnitt zum Thema Finnland las, war ich begeistert. Ja, genau, das waren alles auch exakt meine Erfahrungen! Ich nickte enthusiastisch… und auf einmal gefror mir sprichwörtlich das Blut in den Adern. Konnte es sein… ?! Nein, das wäre doch zu verrückt, unmöglich! ABER… doch. Doch, was waren meine eigenen Worte, die ich da las – sogar wortwörtlich.

Ich hatte im Jahr 2014 einen ausführlichen Gastbeitrag für einen bekannten veganen Reiseblog zum Thema „Vegan in Finnland“ geschrieben. Exakt gleiche Wortlaute aus dem Beitrag von damals, wirklich 1:1 identische Formulierungen, las ich nun in dem Reiseführer über Nordskandinavien. So fühlte es sich also an, plagiiert zu werden. Das ist kein schönes Gefühl, sondern man fühlt sich so richtig ver…

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Plagiieren ist kein Kavaliersdelikt, sondern schlicht und ergreifend Diebstahl. Mein Artikel von damals baute auf jahrelanger Erfahrung auf. Ich habe Finnland durch Studium, Arbeit und Partner in vielen Jahren auf unzähligen Besuchen kennengelernt, ich habe mich mit veganer Ernährung auseinandergesetzt und jahrelang die Szene in Finnland beobachtet. Wenn man sich das alles mal verdeutlicht, dann wird einem klar, dass in diesem Artikel so viel mehr dringsteckt als ein paar Stunden Schreibarbeit. Das ist ein Artikel, den die überwiegende Mehrzahl aller Journalisten, Veganer und Finnlandfreunde NICHT einfach mal so hätte schreiben können. Und nun wurde mir das Produkt dieser jahrelangen Erfahrung bzw. Teile davon einfach mal so ungefragt gestohlen – für einen kommerziellen Reiseführer, mit dem ein kommerzieller Verlag Gewinn machen möchte! GEHT GAR NICHT. So ganz nebenbei begriff ich auch mehr denn je, warum es völlig richtig ist, dass Personen, die aus Dummheit oder Dreistigkeit plagiiert haben, in hohen öffentlichen Positionen absolut nichts zu suchen haben.

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Trotz meiner Empörung hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich aktiv geworden bin. In der Zwischenzeit war ich erstmal in Lappland. Den unseeligen Reiseführer hatte ich sogar noch dabei und dabei festgestellt, dass das Werk durch und durch sehr fragwürdig war. Zu einigen Plätzen wurden schlichtweg Falschinformationen gegeben, wie ich vor Ort feststellen konnte. Andere Informationen waren hoffnungslos veraltet.

Tatsächlich habe ich erst einige Monate nach meiner Reise Kontakt zum Verlag aufgenommen. Die Reaktion kam schnell. Man entschuldigte sich, versprach für die neue Auflage die plagiierten Abschnitte zu entfernen und stellte dem Kontakt zum Autor her, der sich ebenfalls entschuldigte und mit der haarsträubendsten Geschichte überhaupt um die Ecke kam. Er habe meinen Blogartikel nicht gelesen, sondern in einem Hotel in Helsinki morgens am Frühstückstisch mit einem österreichischen Paar über Biokost geplaudert, da er Probleme mit den finnischen Verpackungsaufschriften hätte (?). Das Paar habe ihm an nächsten Tag eine handschriftliche (!) Notizbuchseite mit dem Inhalt meines Blogbeitrags gegeben, welche er als Grundlage für das Kapitel im Reiseführer verwendet habe ohne Böses zu ahnen.

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Also, ich wusste damals nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Noch heute ist mein Gastartikel von 2014 der erste Treffer, wenn man in Google „vegan+Finnland“ eingibt. Das schrieb ich auch dem Autor, der wiederum antwortete, dass er nur auf Basis von authentischen Erfahrungen schreibe und keine Informationen für seine Tätigkeit als Reiseführerschriftsteller ergoogele.

Zum Schluss wusste ich nicht mehr, was ich glauben sollte. Die ganze Geschichte klang für mich so haarsträubend, dass mein Verstand sagte, dass sie unmöglich ist. Andererseits bin ich aber sehr ziemlich gutgläubig und glaube doch immer irgendwie an das Gute in meinem Gegenüber. Wenn man mir irgendwas ernsthaft versichert, neige ich dazu alles zu glauben. Wahrscheinlich, weil ich selbst eine wahnsinnig ehrliche Haut bin. Wie auch immer. Ich sah keinen Sinn mehr in der Diskussion mit dem Autor, der entweder dreist log oder einfach keine Ahnung von Journalismus hatte. Irgendwie tat er mir sogar leid.

Ich sah hier den Verlag in der Verantwortung, der einen Reiseführer hatte veröffentlichen lassen ohne dass ihm solche Dinge aufgefallen waren wie wechselnde Schreibstile, Plagiarismus und Falschinformation. Entschuldigung hin oder her – ich fand, dass das nicht einfach so ohne Konsequenzen bleiben sollte.

In einem Telefonat mit dem Verlag bot man mir an, dass man den Blogartikel künftig verlinken könne oder dass ich einen Einkaufsgutschein für Bücher und Karten aus dem Verlag bekommen könnte. Meine Reaktion hier war eindeutig: nein, danke. Eine Verlinkung empfand ich als unnötig bzw. unpassend und von diesem Verlag wollte ich gewiss keine weiteren Bücher und Karten erhalten. Nicht nur wegen des Nordskandinavienreiseführers. Ich besaß bereits einen anderen Reiseführer von dem Verlag, der mich ebenfalls nicht überzeugt hatte. Ich forderte, dass man mir eine Entschädigung im Verhältnis zum Erlös, gemessen an der Seitenzahl, zahlte. Nach einigem Hin und Her wurden mir 50 EUR bezahlt. Gefühlt viel zu wenig. Aber ich hatte irgendwann einfach keinen Nerv mehr auf die ganze Sache. Außerdem bin ich nunmal wahnsinnig konsensorientiert. Mir war es wichtig, den Verstoß zu verfolgen, dass sich der Verlag mit der Sache beschäftigen musste, die Textpassagen gelöscht hat und mir zumindest symbolisch etwas bezahlt hat.

Der ganze Vorfall hat mich darin bestärkt, vorwiegend über persönliche Erlebnisse, Eindrücke und Gedanken zu schreiben. Diese Artikel tragen meine eigene Handschrift und müssten schon starkt verändert werden, um als Plagiat zu dienen. Ansonsten überlege ich es mir sehr genau, wie viel Fachwissen ich in einem einzigen Artikel unterbringe. Ich bin definitiv für werbefreie Blogbeiträge. Aber ich sehe es leider auch nicht ein, für umsonst zu arbeiten, während andere sich zu kommerziellen Zwecken kostenlos an meinem Wissen bedienen.

Hat auch jemand von euch bereits Erfahrungen mit Plagiatismus gesammelt? Es muss ja nicht nur der Text sein, auch Fotos bieten sich zum Klau an… Mich würde es wahnsinnig interessieren und auch, wie ihr das Risiko einschätzt und was ihr für Vorsichtsmaßnahmen trefft.

7 Antworten auf “Alles nur geklaut! Bloggen und das Risiko von Plagiarismus”

  1. Ich hatte einmal etwas ganz komisches, da hat jemand wahrscheinlich mit einem Bot meinen Blog eins zu eins kopiert. Keine Ahnung, was das sollte, aber als ich ihn darauf anschrieb meinte er, dass ich mich doch freuen solle, denn mehr Leute würden meinen Content sehen. Letztlich habe ich ihn aber irgendwie dazu bewegt, alles zu löschen.
    Außerdem gibt es ein Hochzeitsfoto von meinem Mann und mir, das immer mal irgendwo auftaucht. Ich überlege dann immer mal, Wasserzeichen einzusetzen, aber die kann man mit ein wenig Energie einfach übermalen oder noch einfacher einfach abschneiden.
    Aber zum Glück bin ich noch auf keinen Content von mir in einer kommerziellen Publikation gestoßen, das würde mir wahrscheinlich auch über die Hutschnur gehen.

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    1. Hallo Claudia, das klingt aber alles auch sehr gruselig! Bei einem Verlag hat man immerhin noch einen konkreten Ansprechpartner, anders als wenn die Inhalte irgendwo unkontrolliert im Netz herumschwirren… Ich habe eine zeitlang ja auch ein Logo in meine Fotos eingebaut. Aber das hat mit meiner Software ewig gedauert (und die Fotos echt etwas verunstaltet). Ich habe dazu schlicht und ergreifend keine Zeit. Aber verstecken möchte ich meine Fotos auch nicht, sie sind schließlich Objekt meines Stolzes und wollen vorgezeigt werden :-D.
      Viele Grüße,
      Heike

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  2. Moin Heike,
    oh, meine Wut währe ähnlich und mit 50 EUR hätte ich mich wahrscheinlich nicht abspeisen lassen. Mich würde ehrlicherweise schon der Verlag und der Autor interessieren, denn so kann man sich vor schlechten Informationen schützen.
    Die meisten wissen nicht, wie viel Zeit und Geld in einem Blog steckt, und es ist eine üble Internet Marnier bis in die besten Kreise, sich Wissen zu stehlen.
    Wir planen beispielsweise nun den dritten längeren Besuch auf Gotland, um die Insel ausführlich und ganzheitlich zu portraitieren. Aber Ideenklau ist ziemlich populär, eigentlich leben vom Ideenklau ja Läden wie Ikea oder Depot. Denn die Menschen, die dort kaufen, nehmen die Ideen mit nach Hause und bekommen für ihre eigene Kreativität ein tolles Feed Back. Da nämlich fängt es an in all seiner Selbstverständlichkeit.
    Ich selbst habe einen Klageweg mit einem kleinen Verlag hinter mir und ich kann Dir sagen, das war teuer- für den Verlag:-)

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    1. Moin Kai, danke für deinen Kommentar! Offenbar sind noch mehr Blogger von Plagiatsproblemen betroffen als man so denken würde :-/. Respekt, dass du den Klageweg gegangen bist. Wurde denn in großem Umfang von dir abgeschrieben?

      Google mal, welche Verlage einen Reiseführer zu „Skandinavien – der Norden“ herausgegeben haben. SO findest du ziemlich schnell raus, um welchen Verlag es sich handelt…

      Viele Grüße,
      Heike

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  3. Ich muss ehrlich sagen, dass mich die ganzen Plagiate (zum Glück noch nicht persönlich erlebt) dazu bewogen haben, meinen Blog auf Eis zu legen. Es ist leider ziemlich frustrierend, wenn man viel Zeit und Arbeit in guten Content steckt und dann andere daran kräftig mitverdienen. 😦

    Von dem Verlag hätte ich das nicht erwartet. Schade.

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    1. Das ist ja schade, wenn das der Grund war, deinen Blog auf Eis zu legen :(. Aber es wird einem als Blogger auch nicht leicht gemacht, Impressumspflicht, Datenschutzverordnung, Abmahnungen, Contentklau…

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  4. Hallo Heike,

    Das ist natürlich sehr krass. Vor allem von einem Verlag hätte ich so etwas nicht erwartet. Bislang sind mir keine Inhalte gestohlen worden, das liegt eventuell daran, dass ich grundsätzlich fast nur erlebnisbezogene Inhalte veröffentliche. Und das, was Dir passiert ist und was ich hier von anderen Bloggern so mitkriege, bestärkt mich nur darin, das weiterhin so zu halten.

    Liebe Grüße
    Kasia

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