Der schönste Weg nach Finnland führt von Stockholm nach Turku

Mein Herz hat eigentlich immer für die majestätischen Fähren der Silja Line geschlagen. Um ehrlich zu sein, hat sogar das Prospektbild einer Silja Line Fähre in der Touristenbroschüre “Sommerwege im Norden” aus den Jahr 1995 mein erstes Interesse für Finnland geweckt. Ja, im Prinzip ist die Silja Festival an allem Schuld. Und der geheimnisvolle Schärenwald im Hintergrund dieses Fotos. Und ein bisschen auch die unheimlich aussehende Rutschmündung in Form eines Drachenkopfes im Vergnügungspark Wasalandia in Vaasa, deren Foto in derselben Anzeige untergebracht war. Damit war alles angefangen und das ausgefledderte Blatt habe ich immer noch irgendwo zu Hause liegen.

Seitdem war es mein Traum, mit einer Silja Line Fähre nach Finnland zu reisen. Lange musste ich warten, erst im Jahr 2009 sollte es so weit sein. Und ich wurde nicht enttäuscht von der Silja Symphony. Auch die Reise mit der Silja Serenade 2012 war rundum gelungen. Doch seit Silja Line an Tallink verkauft worden ist, hat der Charme irgendwie gelitten. Zumindest die neuen Silja Line Fähren zwischen Stockholm und Turku sind langweilig und gesichtslos. Da ist der Neubau der Viking Line (welche die gleichen Strecken bedient), die Viking Grace, schon deutlich attraktiver. Und ein weiterer Vorteil der Viking Line ist, dass sie meist etwas günstiger ist. Deshalb haben wir dieses Jahr direkt Viking Line gebucht: Stockholm-Turku für die Hinreise.

Der Start hätte allerdings deutlich besser sein können. Die Anreise nach Stockholm war nämlich einfach nur grauenvoll und ich wunderte mich, wie andere Leute diese Strecke als entspannend bezeichnen können. In Deutschland hatten wir dank unendlicher Staus und Autobahnbaustellen die Schwedenfähre, welche uns am späten Abend nach Trelleborg bringen sollte, fast verpasst und in Schweden ging der Straßenhorror weiter. Stau, Stau, Stau. Jawohl, in Schweden. Und landschaftlich war’s auch noch langweilig. Wer nur auf der E4 durch Schweden durchfährt, bekommt wirklich ein völlig verzerrtes Bild von diesem schönen Land. Ohne auch nur einzige richtige Pause erreichten wir atemlos das Viking Line Terminal, wieder nur knapp vor Check-In-Schluss.

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Stau bei Grännä
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Viking Line Terminal in Stockholm

Dort wartete schon die Amorella auf uns. Im Prinzip ist die Amorella eine alte Bekannte von mir. Bereits 2002 bin ich mit ihr gereist, tagsüber von Turku nach Stockholm. Meine Erinnerungen an dieses Schiff waren bescheiden, da es während der damaligen Überfahrt an einem heißen Sommertag von riesigen Horden sturzbesoffener Passagiere eingenommen war und man überall über Alkoholleichen stolperte, sofern man nicht gleich auf dem siffigen Boden festklebte. Deshalb erwartete ich auch diesmal nichts. Und wenn man nichts erwartet, wird man meist positiv überrascht.

Tatsächlich habe ich die Amorella kaum wiedererkannt und der Urlaub begann ungefähr genau in der Minute, als wir unser Auto auf dem Autodeck parkten. Das Doppelbett in unserer Innenkabine mit den extra dicken Matratzen war urgemütlich und auch das Unterhaltungs- und Restaurantantangebot brauchte sich nicht zu verstecken. Kein Vergleich mit den modernen Frachtfähren, die heute die Ostsee dominieren mit ihrem billigen Plastikcharme und ihrer unglaublichen Langeweile! Es war so unglaublich stimmungsvoll auf der Amorella in die Nacht zu gleiten. Doch leider war mit mir nach zwei Tagen im Auto mit pausenlosen Staus nichts mehr anzufangen und nachdem der Magen voll war, sehnte ich mich nur noch nach einem komatoösen Schlaf – Schärengarten, Sonnenuntergang, Livemusik und finnische Karaoke hin oder her.

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Im Zustand geistiger Umnahtung stellte ich allerdings den Wecker falsch ein, sodass wir am folgenden Morgen nicht erst um 6:00 schwedischer Zeit, sondern bereits um 5:00 Uhr geweckt wurden (6:00 Uhr finnische Zeit). Und überhaupt, eigentlich ist das doch alles viel zu früh! Aber die extra frühe Weckung hatte auch ihr Gutes. So blieb noch Zeit, aufs Deck zu gehen und die morgendliche Stille, die Sonne  und den Nebel zu genießen. Und aaaaaaaaaah…. es war so magisch!

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Ja, der schönste Weg nach Finnland führt definitiv von Stockholm nach Turku. Dafür kann man sogar mal 1200 km Autobahnhölle in Kauf nehmen.

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