Reisebericht Teil 3: zum und am Pallastunturi

Da waren wir nun also in Lappland angekommen!

Wir waren unendlich gespannt. Lappland war schließlich seit Jahren DAS Sehnsuchtsziel von R – würden sich seine ganzen Erwartungen erfüllen? Ich selbst war hier in der Gegend bereits zwei Mal im Winter gewesen, aber bislang hatte mich das Lapplandfieber noch nicht heimgesucht. Würde sich das nun ändern, im Sommer, unter der Mitternachtssonne und ohne die ganzen Kurzreisewintersafaritouristen?

DSC_0390_01

Es war sehr interessant, die gleichen Straßen, die ich im Winter schon gefahren war, nun im Sommer zu fahren. Ich habe nichts wiedererkannt. Die ganze Orientierung war im Winter irgendwie verschwommen gewesen, teilweise bedingt durch das straffe Reiseprogramm, aber zum großen Teil auch durch die gefühlt fast ständige Dunkelheit.

Als wir in Ylläsjärvi anhielten, erkannte ich das Hotel, in dem wir einst zu Abend gegessen hatte, nur anhand des Namens wieder. Dass direkt gegenüber ein See lag, hatte ich im Winter gar nicht bemerkt. Insgesamt lud uns der Ort nicht gerade zum Verweilen ein und wir fuhren weiter Richtung Äkäslompolo, nicht ohne noch kurz am Skilift und den riesigen, leeren Hotelanlagen im Alpenstil vorbeizufahren.

DSC_0388_01
Ylläsjärvi im Sommer

Nach einem kurzen Zwischenstopp im neuen Naturzentrum Kellokas (wirklich schön gemacht, übrigens) ging es weiter nach Äkäslompolo. Hier wollte R unbedingt das Geschäft Jounin kauppa aufsuchen. Mir war nicht ganz klar, warum. Schließlich handelte es sich doch nur um einen Supermarkt. Was ich jedoch nicht wusste, war, dass es sich um den wahrscheinlich landesweit bekanntesten Supermarkt handelte. Sein Besitzer, Sampo Kaulanen, Social-Media-Star und Talkshow-Dauergast, vermag es offenbar einen schöden K-Supermarkt als irgendwie kultig zu vermarkten. Auf dem Parkplatz trohnt seit diesem Jahr sogar eine Riesenrentierskulptur, die ich spontan eher nach Nordamerika verortet hätte. Aber warum eigentlich nicht? Das Rentier ist wirklich schön geworden und trägt ganz gewiss dazu bei, dass man diesen Supermarkt nicht ganz so schnell wieder vergisst. Die ganze Geschichte finde ich ziemlich typisch finnisch. Oder gibt es etwa auch in Deutschland einen landesweit bekannten Kult-EDEKA, vielleicht mit überdimensionierter Hirsch- oder Wildschweinskulptur?

DSC_0395_01
Kellokas Nationalpark Informationszentrum
DSC_0397_01
DAS Rentier am Jounin kauppa

Anschließend sollte es endlich in den Pallas-Yllästunturi-Nationalpark gehen. Durch den Nationalpark war ich im Winter schon gefahren und hatte die Strecke als sehr malerisch in Erinnerung. Zuerst nahmen wir Kurs auf das Jeris Hotel, da uns mittlerweile der Magen knurrte und ich das dortige Buffet noch als sehr gut in Erinnerung hatte. Und vielleicht könnten wir uns dort ja auch für ein paar Tage eine Hütte mieten… Denkste. Das Jerishotel war geschlossen seit dem 30.4. und an der Tür prangte ein Schild „Bis zur nächsten Wintersaison“. Aber vielleicht war es auch gut so. Im Winter fand ich den Strand des Jerissees nämlich viel beeindruckender.

Wir fuhren weiter in den Nationalpark und bald schon stießen wir auf die ersten Rentiere. Irgendwann wies ein Wegweiser zu einem weiteren Nationalparkzentrum. Wir rauschten vorbei, doch kehrten in weiser Voraussehung wieder um. Dem Himmel sei Dank! Denn nun endlich begann es landschaftlich richtig interessant zu werden.

Wir kamen auf eine Art weites Plateau, eingerahmt von den sanften, kargen lappländischen Bergen, die man auf Finnisch „Tunturi“ nennt. Und direkt auf diesem Plateau befand sich ein Hotel und ein Nationalparkzentrum. Unser erster Gedanke war: „Hier bleiben wir!“. Vorsichtshalber fragten wir aber noch den netten Mitarbeiter von der Nationalparkinfo, ob es noch andere ähnlich schön gelegenen Unterkünfte in der Umgebung gäbe und was er uns denn empfehlen würde. Als er hörte, dass wir nur 1-2 Nächte bleiben würde, zögerte er nicht lange und riet und hier zu bleiben.

Das taten wir. Das Pallas-Hotel war übrigens das erste Fjäll-Hotel in Finnisch-Lappland und hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Mittlerweile gehört die Anlage zur Lapland Hotels-Kette und ist ganz schön in die Jahre gekommen. In den Fluren waberte uns ein modriger Geruch entgegen und unser Zimmer erinnerte mich irgendwie an ein sauerländisches Landschulheim oder AWO-Tagungszentrum aus den 70er Jahren.

Doch das schöne Wetter und die tolle Umgebung lockten uns schnell wieder draußen, wo sich immer mehr die Sonne zeigte und die Rentiere ganz ungeniert unter den Fenstern grasten .Wir liefen einfach mal so drauf los. Es stellt sich bei mir eine Art Alm-Gefühl ein, wozu nicht unerheblich die Glocken beitrugen, die den Rentieren um den Hals baumelten. Aus dem lockeren Spaziergang wurde mal eben so eine Wanderung auf den nächsten Berggipfel. Als wir oben angelangt waren, hatte sich der schöne Sonnenschein jedoch leider in Sturm und Regen verwandelt. Die Aussicht konnten wir deshalb nicht so richtig genießen, sondern hatten es recht eilig, wieder ins Tal zu kommen ohne auf den holprigen Steinen auszurutschen.

Abends speisten wir im Hotel-Restaurant – das war teuer, aber spitze. Bislang habe ich eher schlechte Erfahrungen mit Essen in finnischen Kettenhotels gemacht, aber das Pallas-Hotelli macht hier eine rühmliche Ausnahme. Feinkost inmitten der Tunturis, ein schöner, hölzern eingerichteter Speisesal und aufmerksame, zurückhaltende Bedienung.

Weniger schön war die Nacht – es war nämlich eiskalt im Zimmer – trotz Mitternachtssonne! Tagsüber hatten wir von der schlechten Isolierung nichts bemerkt, da die Sonne direkt bei uns ins Zimmer geknallt hatte, doch nun mussten wir die Schlafsäcke aus dem Auto holen. Wie gut, dass wir sie dabei hatten!

Advertisements

2 Gedanken zu “Reisebericht Teil 3: zum und am Pallastunturi

  1. Schön geschrieben! Ich hätte gedacht, dass die Hotels auch im Sommer haben.
    Die Geschichte mit dem Supermarkt ist auch witzig. In Leipzig und Berlin liegen gerade „Spätis“, also Spätverkäufe sehr im Trend. Aber in Talkshows waren die bestimmt noch nicht.

    LG Myriam

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s