Reisebericht Teil 1: Mit Finnlines von Travemünde nach Helsinki

Finnland im Sommer – das ist bei uns Standardprogramm. Aber in diesem Jahr verlief alles etwas anders. Statt Mikkeli hieß unser Hauptziel Kilpisjärvi, statt Flugzeug nahmen wir die Fähre und statt tagelang über Landstraßen zu juckeln, buchten wir einen Platz im Autoreisezug.

Unser diesjähriges Nordlandabenteuer startete am 23.6.2017.

Nach einem langen Arbeitstag und stressigem Packen am frühen Abend, war von Urlaubsstimmung zunächst nicht viel zu spüren, als wir gegen 19:00 die Wohnungstür hinter uns zuzogen. Bleierne Schwüle lag in der Luft. Die Verkehrslage auf der A7 trug nicht dazu bei, das Stresslevel zu senken.

Trotzdem kamen wir gegen 22:50 noch ganz pünktlich in Travemünde am Skandinavienkai an. Mittlerweile war es dunkel geworden – und der Stress fiel von mir ab. Internationale Hafenluft löst bei mir Glücksgefühle aus. Ich stehe auf das routinierte Treiben, die eingespielten Prozesse, gepaart mit der Erwartung und Vorfreude der Reisenden. Und natürlich auf die „großen Pötte“.

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Um kurz nach Mitternacht war es dann endlich so weit und auch wir durften an Bord der „Finnstar“ rollen. Wir hatten die Überfahrt erst wenige Tage vor Abfahrt gebucht (ja, so sind wir halt…) und waren deshalb mehr oder weniger gezwungen gewesen, die einzige noch verfügbare Kabine zu buchen – eine der wenigen Luxuskabinen vorne auf Deck 9. Wer Luxus bezahlt, möchte auch Luxus bekommen. Zum Glück wurden wir nicht enttäuscht. Die Kabine, am Ende eines langen Flures mit abgewetzten Teppichen, war komplett wie ein Hotelzimmer ausgetattet. Am besten aber war das große Panoramafenster, quasi direkt unter der Kapitätskabine, mit freiem Blick in Fahrtrichtung. Morgens um 4:30, gemütlich auf Kissen gebettet, die Abfahrt des Schiffes von der eigenen Fensternische aus zu beobachten, das hatte schon etwas Besonderes.

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Der  folgende Tag auf See plätscherte vor sich hin. Die Ostsee zeigte üppige Schaumkronen, doch die Finnstar zog stoisch und leise ihre Bahn, ohne dass man auch nur einen Hauch von Seegang verspürte. Auf dem Sonnendeck war es warm, aber diesig. Ansonsten gab es nicht viel zu tun. Die wenigen Aufenthaltsbereiche der Finnstar hat man schnell durchstreift. Und da wir eigenen Proviant dabei hatten, waren wir auch nicht mit der Mahlzeiteneinnahme im Bordrestaurant beschäftigt (zum Glück, wie sich später auf der Rückfahrt zeigen sollte!). Man könnte vermuten, dass Langweile auftrat. Erstaunlicherweise war dem aber nicht so. Oder es war eine angenehme Langeweile. Wir genossen jedenfalls die Langsamkeit.

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Besonders angetan hatte es mir der bordeigene Fitnessraum. Irgendwie fühlte es sich  interessant und dekadent an, mit Panoramablick auf die Ostsee Fahrrad zu fahren oder auf dem Laufband zu strampeln. Letzteres war allerdings ein gefährlicheres Unterfangen als gedacht. Nur mit einem gerade noch rechtzeitigen, beherzten Sprung konnte ich mich vor einem Rückwärtssaldo bewahren, als das Laufband plötzlich immer schneller beschleunigte und die Stop-Taste versagte. Damit war mein Bedarf an Aufregung für den Abend gestillt.

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Neu ausgestatteter Fitnessraum – leider ohne Sicherheitsanweisungen

Nach einem gemütlichen TV-Abend in der Kabine, wurden wir am folgenden Morgen schon früh von einem strahlend blauen Himmel und Sonnenschein geweckt. Goldenes Licht flutete durch das Kabinenfenster und bahnte sich den Weg durch die Ritzen der dicken Vorhänge. Die Vorfreude auf Finnland wuchs!

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Morgens um kurz nach 5:00

Und dann ein paar Stunden später: Helsinki in Sicht!

Fast ein ganzes Jahr war seit meinem letzten Finnlandbesuch vergangen, gewissermaßen ein Rekord. Würde sich alles immer noch so altbekannt und vertraut anfühlen?

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2 Gedanken zu “Reisebericht Teil 1: Mit Finnlines von Travemünde nach Helsinki

  1. Schöner Bericht! Wir sind mit der Finnlady gefahren und in einer Normalkabine, aber auch mit Ausblick. Und das Meer war die meiste Zeit ruhig wie ein See. Bin trotzdem bissl seekrank geworden, wer weiß warum 🙂

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