Wie alles anfing – der Glückstaumel (Erinnerungen an Dänemark I)

Im Spätsommer 2010 hatte ich mein Studium beendet. Seitdem war ich auf Arbeitssuche, aber es wollte oder sollte sich irgendwie nichts auftun. Insgeheim war ich mir auch gar nicht so sicher, ob ich das wirklich schon alles wollte: einen 8/24 h Brotjob, Kompromisse machen, auf unbestimmte Zeit allen „Abenteuern“ Lebwohl sagen?

Eigentlich wollte ich am liebsten einfach nochmal raus, bevor der sogenannte Ernst des Lebens beginnen würde. Deshalb war ich auch so begeistert, als ich an einem Januarabend 2011 die Ausschreibung für eine 6-monatige Traineestelle bei einem EU-Programm in Dänemark entdeckte: Ohne jegliche Verpflichtungen und perfekt auf mich, mein Studium und meine Sprachkenntnisse zugeschnitten!

Die Bewerbung war binnen einer halben Stunde geschrieben und tatsächlich trudelte knappe zwei Wochen später eine Einladung nach Dänemark inkl. kostenloser Anreise und Hotelübernachtung in mein E-Mailpostfach ein.

So ging es dann am 17. Februar 2011, an einem verschneiten Februarmorgen, von Norddeutschland (wo ich vorher noch unterwegs war) per Zug nach Jütland. Als unser Zug die Grenze passierte, war ich von tiefstem Glück beseelt. Endlich wieder in Jütland: Danmark, Skandinavien, ich komme! In den letzten Jahren war ich zwar oft in Dänemark gewesen, aber immer nur auf Seeland bzw. in Kopenhagen. Jütland, das für mich „eigentlich richtige“ Dänemark, hatte mir gefehlt. Meine Nase klebte an der Scheibe und ich sog alles wie ein Staubsauger in mich auf: die weite, flache Landschaft, den Bahnhof von Fredericia, das freundliche Zugpersonal, die fantastische Aussicht auf den Vejle-Fjord und natürlich die schöne dänische Sprache! In Aarhus verließ ich dann den internationalen Zug und stieg um in die Regionalbahn nach Viborg. Nun kehrte Ruhe ein. Gleichsam stieg die Spannung auf Viborg.

Eine gute Stunde später – es war schon später Nachmittag – fuhr der Zug in den Bahnhof ein. Zum Hotel war es nicht weit zu laufen und ich probierte gleich meine eingerosteten Dänischkenntnisse aus: Hurra, die Kommunikation klappte noch und die typisch dänische gute Laune des Rezeptionisten steigerte meine gute Laune zusätzlich. Im Zimmer wartete dann eine weitere positive Überraschung auf mich: Man hatte mich in ein VIP-Zimmer einquartiert mit Whirpoolbadewanne, Sauna, Teeküche und ganz viel Platz. So viel Luxus war ich nicht gewohnt und es war für mich wirklich etwas Besonderes, einmal so feudal zu residieren.

Nach einer kurzen Verschnaufpause erkundete ich am frühen Abend die Innenstadt. Auch hier: Liebe auf den ersten Blick. Draußen dämmerte es bereits, der Schnee knirschte unter den Schuhen und ich lief durch die idyllischen Altstadtgassen der dänischen Provinzstadt. Ja, hier wollte ich für ein halbes Jahr leben!

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Am Abend machte ich es mir mit einer deftigen, dänischen Pizza im Hotelzimmer gemütlich und schlief trotz Aufregung (die Stelle musste, musste, MUSSTE ich einfach bekommen!) überraschend gut. Das Vorstellungsgespräch war für den nächsten Morgen um 9:00 anberaumt, nur 200 m vom Hotel entfernt. An den genauen Verlauf des Gesprächs erinnere ich mich nicht mehr, aber ich ging mit einem guten Gefühl raus und war, um ganz ehrlich zu sein, recht zuversichtlich, obwohl nach mir noch zwei weitere Kandidatinnen an der Reihe waren.

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Bis mein Zug fuhr, konnte ich noch einen schönen Winterspaziergang entlang einer der beiden Seen von Viborg unternehmen und die herrschaftlichen Landhäuser und Villen bewundern. Ich fühlte mich in die Welt von Hans Christian Andersen versetzt. Gegen Mittag ging es dann wieder richtig Heimat. Als der Zug Kolding erreichte, klingelte mein Telefon: „Heike, wir würden dir gerne die Stelle anbieten!“. Arbeitsbeginn in 2 Wochen.

YES!!!

Aber wie würde es weitergehen? Wie würde ich während 2 Wochen einen Umzug nach Dänemark organisieren und eine Wohnung finden? Darum wird es im nächsten Beitrag gehen.

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3 Gedanken zu “Wie alles anfing – der Glückstaumel (Erinnerungen an Dänemark I)

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