Sächsische Schweiz im Februar

Vor 2 Monaten habe ich darüber sinniert, wohin es mich wohl 2017 reisetechnisch führen wird. Wie ich damals schon ein bisschen vermutete, kam es doch wieder anders als geplant. Ich habe meinen Resturlaub aufgebraucht und wir waren übers verlängerte Wochenende in der Sächsischen Schweiz!

Erst habe ich überlegt, ob ich über diesen Kurztrip überhaupt berichten soll, weil… in die Sparte „Nordeuropa“ fällt die Sächsische Schweiz ja nun nicht gerade. Aber war soll’s – die Sächsische Schweiz hat mich so geflasht, das einfach darüber berichtet werden muss.

saechsische_schweiz-14

Erster Eindruck: „Woanders ist es auch schön“

Unser Urlaubsstart hatte zuerst so seine Tücken. Die Wettervorhersage versprach Sonne pur, doch wir kamen an bei Schneematsch, Eis und Nieselregen. Während wir im Berghotel Bastei eincheckten – unser Auto war auf dem hoteleigenen Parkplatz geparkt – wurde uns erstmal schnell ein Knöllchen wegen „Falschparken“ verpasst (die Hotelrezeptionistin versprach aber routiniert, den Fall zu klären – offensichtlich kommt das regelmäßig vor). Statt Basteiblick genossen wir von unserem Zimmerfenster aus den Blick auf den weniger einladend aussehenden Innenhof, über den gerade die erste Busladung selfiestickbewaffneter Japaner zog (wie voll mag es hier erst im Sommer sein?). Da es mittlerweile schon Nachmittag war und unser Magen knurrte, beschlossen wir nach einem ersten Rundgang (ja, die Landschaft sah schon toll aus!) das hoteleigene Panoramarestaurant zu testen. Die Aussicht und das Ambiente waren top, der Rest leider nicht. Wir aßen nur eine überteuerte Tomatensuppe, die wie Pizzasoße schmeckte, und beschlossen, dass wir unseren Hunger woanders stillen müssen. Mittlerweile war es draußen schon recht düster. Nieselregen, enge Straßen, ungeduldige Autofahrer, knurrender Magen… und kein einladendes Restaurant weit und breit. In Bad Schandau landeten wir schließlich in der Pizzeria der Toscana-Therme, wo wir so ungefähr die schlechteste Pizza unseres Lebens serviert bekamen…

Manchmal lohnt ein zweiter Blick

Am zweiten Tag war das Wetter nicht viel besser, aber es zeigte sich schnell, dass die Gegend trotz allem einfach doch sehr, sehr beeindruckend ist. Direkt vom Hotel aus ist man binnen weniger Minuten auf der Basteibrücke. Ich finde es immer wieder beeindruckend, mit welcher Kunst, aber auch mit welchem Sinn für Schönheit, früher gebaut wurde.

Nun, an diesem bewölkten Februarmorgen waren zwar auch andere Touristen unterwegs, aber es hielt sich absolut noch in Grenzen. Die Stufen waren zum großen Teil recht vereist – und entsprechend glatt war es auch. Zahlreiche Aussichtspunkte waren wegen glättebedingter Absturzgefahr gesperrt. Dass die Warnungen nicht umsonst waren, merkte ich spätestens, als ich selbst einige Stufen hinabsegelte 🙂 . Trotzdem haben viele die Absperrungen ignoriert. Eigentlich wollten wir noch unbedingt zum Amselfall, aber das schien an diesem Tag unmöglich. Die Routen von der Bastei aus waren (für mein Schuhwerk) zu glatt und die Route von Rathenwalde aus war von Schmelzbächen geflutet. Irgendwie war’s aber trotzdem toll. Diese Landschaft, hach!

saechsische_schweiz-3
Dort oben haben wir residiert!

Zum Essen sind wir diesmal gleich in das etwas größere Pirna gefahren. Gute Idee, denn hier gab es gleich mehrere einlandend aussehende Restaurants. Nach der Pleite vom Vortag hatten wir diesmal großes Glück und landeten in dem neuen Burger-Restaurant „Platzhirsch“ – sehr angenehmes Ambiente und ultraleckere Speisen (aber insgesamt fleischlastige Speisekarte).

saechsische_schweiz-5
Im Platzhirsch in Pirna – sehr zu empfehlen!

Großes Glück am dritten Tag

Am dritten Tag schien morgens die Sonne vom knallblauen Himmel – nichts wie raus! Eigentlich war es für die richtig perfekten Sonnenaufgangsbilder zwar schon zu spät, aber trotzdem konnte ich mich nicht losreißen von dieser wahnsinnigen Szenerie. Unter uns lag die Elbe ganz im Nebel, auf der anderen Seite ragten die majestätischen Felsen in der Morgensonne empor… es war nahezu magisch.

Und trotz des fantastischen Wetters war nicht mehr los als am Vortag (tatsächlich waren uns wirklich nur am Freitag die Busladungen Touristen aufgefallen). Durch die Sonne war das Eis etwas geschmolzen und wir konnten heute endlich unsere kleine Wanderung zum Amselfall antreten. Der Amselfall an sich ist zwar nicht besonders groß, aber liegt einfach unglaublich idyllisch in die Schlucht gebettet. Mindestens 15 Minuten waren wir ganz alleine am Amselfall.

Später am Tag zog sich der Himmel zu und wir fuhren noch kurz rüber auf die tschechische Seite. Leuchtend grelle Reklametafeln und bunte Ramschstände hinter der Grenze ließen uns nicht vergessen, dass wir auf „der anderen Seite“ waren. Die Natur hier ist aber natürlich ähnlich faszinierend. Leider allerdings waren die engen Straßen nicht geräumt, sodass das Fahren recht anspruchsvoll war. In Hrensko liefen wir noch ein wenig in der Kamenice-Schlucht: eine dunkle, felsige Schlucht, durch die ein wildrauschender Fluss führt. Sehr stimmungsvoll. Hier waren wir die einzigen Wanderer weit und breit. Der Weg war sehr eisig, ließ sich aber gut laufen, da das Terrain eben war. Wetter- und tageszeitbedingt kehrten wir zwar recht bald zurück zum Auto – aber mit dem Merkzettel im Gedächtnis, hierher gerne nochmal zurückzukommen.

Und so ging leider auch schon der letzte Tag unseres Trips zu Ende. Die Natur in der Sächsischen Schweiz hat uns deutlich mehr begeistert als erwartet und wir sind nur sehr, sehr ungerne wieder nach Hause gefahren. Diese kurze Auszeit hat uns wieder einmal gezeigt, dass man manchmal wirklich nicht allzu weit fahren muss, um wunderschöne Landschaften und Natur zu erleben.

Der Winter als beste Reisezeit?

Im Nachhinein haben wir uns sogar gefragt, ob unser Reisezeitpunkt im Februar nicht sogar die beste Zeit ist, um die sächsische Schweiz – oder doch zumindest das Basteigebiet – zu besuchen. Die Temperaturen bei etwas über 0 Grad haben wir zum Wandern als ziemlich optimal empfunden. Die Landschaft hat unzweifellos auch im Winter ihren Reiz. Und die Touristenmengen halten sich in Grenzen. Mit Schreck habe ich auf Wikipedia über die Bastei gelesen:

Es gibt in den deutschen Nationalparks keinen anderen Punkt mit einer so hohen Besucherdichte

Im Sommer scheint dort also die Hölle los zu sein, was mir ganz definitiv endgültig den Spaß verderben würde. Jetzt gab es zwar auch genug Touristen, aber noch unter dem Level, das mich persönlich nervt.

Außerdem kann man sich im Winter ein wenig mehr Luxus gönnen – das Berghotel Bastei wäre im Sommer beispielsweise über unserem Budget gewesen, doch jetzt im Winter haben wir uns das mal gegönnt. Ganz spontan. Ich gehe stark davon aus, dass es im Sommer deutlich schwieriger ist, spontan eine gute Unterkunft zu finden.

Also nur Vorteile im Winter? Na ja, man muss eben auch mit schlechtem Wetter rechnen. Man sollte auf jeden Fall rutschfeste Schuhe mitbringen und sich damit abfinden, dass man eben auch mal umkehren muss, wenn eine Route nicht begehbar ist. Andererseits kann man die Landschaft aber auch von leicht zugänglichen Plätzen aus genießen, sodass man diese Abstriche meiner Meinung nach in Kauf nehmen kann.

Ob der Winter wirklich besser ist als andere Jahreszeiten, werde ich für mich hoffentlich schon recht bald noch besser beantworteten können, denn wir haben eigentlich schon beschlossen, dass der nächste Inlandskurztrip uns wieder in die Sächsische Schweiz führen soll. Zu viel blieb einfach noch ungesehen… und wer weiß, vielleicht begegnen uns nächstes Mal nicht nur tolle Landschaften, sondern auch seltene Tiere und Pflanzen?

Warst du schon in der Sächsischen (oder Böhmischen) Schweiz? Welches sind eine Lieblingswanderwege und Einkehrplätze?

Advertisements

7 Gedanken zu “Sächsische Schweiz im Februar

  1. für mich ist das für einen kurztrip leider, leider zu weit weg, denn ich würde zu gerne dort auch mal urlaub machen. aber wer weiß, wann und ob es sich nicht doch einmal ergibt. die wintersonnentagsbilder sind jedenfalls traumhaft schön!

    Gefällt mir

  2. Also wenn man sich eure Bilder anschaut, dann meint man gar nicht, dass ihr zwischendurch mal schlechtes Wetter hattet. Sieht super aus und macht richtig Lust selbst dorthin zu fahren!

    Liebe Grüße,
    Kaja

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s