Sag niemals nie! Warum ich heute auf Plumpsklo, Einöde und Sauna stehe ;)

Als ich von der Arianes Blogparade Sag niemals nie las, habe ich mich sofort angesprochen gefühlt. Es gibt nämlich unzählige Dinge, von denen ich glaubte „Das ist nie etwas für mich!“. Und irgendwie beziehen sich ganz viele Dinge von denen auf Finnland. Finnland und ich, das war nämlich nicht immer nur die große Liebe, sondern eher Liebe auf den zweiten Blick mit einigen Hindernissen am Start 😉 .

Vieles, was ziemlich unzertrennbar mit der finnischen Lebensart zusammenhängt, kam mir anfangs fremd, seltsam und abstoßend vor. Das hier sind die drei prominentesten Beispiele:

  1. Sauna. Ich bin in der katholischen, ostwestfälischen Provinz aufgewachsen und zu einer gewissen Verklemmtheit erzogen worden. Noch nicht einmal im Traum wäre ich von selbst auf den Gedanken bekommen, eine Sauna zu besuchen. Ohne Badebekleidung… NIEMALS, NIE! Aber auch sonst: Sauna – wozu? Mir ist doch im Sommer schon bei 30°C zu warm, wie soll ich also 90°C und mehr aushalten ohne einen Kreislaufkollaps zu erleiden?! So dachte ich damals und deshalb hat es auch 2 Jahre gedauert, bis mich mein finnischer Freund zum ersten Mal in die Sauna bekommen hat. Aus meiner anfänglichen Angst wurde ein „ist ja gar nicht so schlimm“ und dann ziemlich bald ein Genuss. Selbst das Eislochbaden fand ich gar nicht so schlimm wie befürchtet. Heute gehe ich sogar ganz Hardcore in Deutschland in öffentliche Saunen 😉 .
  2. Plumpsklo. Das gute alte Plumpsklo kannte ich als Stadtkind (in Ostwestfalen ist nämlich eigentlich nur die Mentalität provinziell, der Rest ist zugepflastert, eingekästelt und durchzivilisiert) nur aus den „Michel aus Lönneberga“-Erzählungen. Als ich mit 9 Jahren in Schweden auf Wanderparkplätzen die ersten echten Plumsklos sah, traute ich kaum meinen Augen. Irgendwie hatte ich nicht damit gerechnet, dass es so etwas heute noch gibt. In Finnland kam es dann noch dicker: Hier gab es Ferienhäuser in Hülle und Fülle ohne Strom, ohne Wasser und natürlich mit Plumpsklo. Igittigitt, wie kann man so nur freiwillig seinen Urlaub verbringen?! Da mir keine andere Wahl blieb, musste ich auch mehrere Male in solchen Unterkünften übernachten. Leider war die erste Erfahrung direkt so negativ, dass alle meine Vorurteile nur bestätigt wurden. Das Plumpsklo stank bestialisch und ich konnte den Bretterverschlag nur fluchtartig mit einem lauten Würg- und Hustenanfall verlassen! ABER: Das ist die Ausnahme. Es hat etwas gedauert, bis ich das eingesehen habe, aber eigentlich haben Plumpsklos sogar einige Vorteile. Sie sind naturnah, ökologisch und wenn genügend Einstreu verwendet wird, tatsächlich auch meist völlig geruchslos. Und last but not least können sie nicht verstopfen 😉 . In Finnland gibt es unzählige Arten an Trockentoiletten, einige direkt Hightech, mit eingebautem Abzug und auch für den Innengebrauch tauglich. Ekelig ist da rein gar nichts.
  3. Einfach nur abhängen. Schon als Kind habe ich gelernt: auf Reisen muss man aktiv sein, die Zeit nutzen, möglichst viel sehen, möglichst viel mitnehmen – faulenzen kann man schließlich auch zu Hause! In meiner Kindheit sind wir immer viel Wandern gegangen und das habe ich ehrlich gesagt auch sehr geliebt. Umso seltsamer kamen mir die Finnen vor – die verschanzten sich für ein paar Tage oder sogar die ganzen Ferien (3 Monate) in ihrer Hütte ohne WC (siehe oben) und machten – scheinbar nichts!? Saunabaden, ein paar Beeren sammelen und ein bisschen im Wasser planschen zählen ja schließlich nicht als richtige Aktivitäten. Die ersten Jahre in Finnland habe ich also immer auf möglichst viel Sightseeing bestanden. So richtig viel gab es da allerdings nicht… und bald war alles abgeklappert. Richtige Wanderwege gab’s auch nicht in der Nähe. Nur Schotterpisten hinterm Haus, die nach spätestens ein paar Kilometern in einer Sackgasse endeten. Wohl oder übel musste ich auch das tun, was die Finnen so tun im Urlaub und feststellen: gar nicht so schlecht! Eigentlich sogar richtig gut, wenn man mal richtig runterkommen will 😉 . Ich bin trotzdem noch ein aktiver, neugieriger Mensch und trage eine gewisse Unruhe in mir, aber ab und zu eine Woche in der Natur ohne große, sichtbare Highlights zu verbringen, empfinde ich mittlerweile als Wohltat.

Heute habe ich deutlich weniger rigorose Vorstellungen als noch vor ein paar Jahren. „NEIN, NIEMALS, NIE!“ denke ich tatsächlich nur noch eher selten.

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Nicht immer lässt sich aus der Ferne erahnen, was alles noch im Verborgenen steckt!

Aber ein entschlossenen „NEIN“ muss auch nicht immer nur schlecht sein. Vorurteile, wie oben gezeigt, lohnt es sich zu hinterfragen. Wer den Dingen eine Chance gibt, wird häufig positiv überrascht. Ein „NIEMALS!“ kann aber auch durchaus reflektiert sein. Dazu zu stehen, wenn die Mehrheit anders handelt, ist oft noch viel schwieriger als über seinen Schatten zu springen und Neues auszuprobieren. Das nur mal so als kleinen Gedankenanstoß in die Gegenrichtung 😉 .

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12 Gedanken zu “Sag niemals nie! Warum ich heute auf Plumpsklo, Einöde und Sauna stehe ;)

  1. Ein schöner Beitrag ist das. Vor allem das Nichtstun muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen. Klingt nämlich ganz herrlich. (Plumpsklo allerdings… hab ich letztes Jahr mal ausprobiert… schwierig…) Liebe Grüße, Stefanie

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    • Danke, Stefanie! Wo hast du Plumpsklo ausprobiert? Ich habe wie gesagt auch schon schlechte Erfahrungen gemacht, aber es ist eine Sache der Pflege und Bauart. Es gibt wirklich auch absolut saubere, angenehme Trockentoiletten (Plumpsklo ist da eigentlich der falsche Begriff), liebevoll eingerichtet, mit installierter Handwaschmöglichkeit usw.

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      • Ich glaub, es war schon ein schickeres Teil; allerdings in einem kleinen Badekarren installiert. Ich fands schon so unheimlich nachts über die Wiese laufen zu müssen…

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      • Es gibt ja sogar auch Trockentoiletten für den Innenbereich. Wobei es mich im Sommer nicht stört, nachts nach draußen zu gehen. Manchmal sieht man so tolle Sonnenaufgänge, die ich als Langschläfer sonst immer verpasse 🙂

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  2. Schöner Artikel! Das Wort „Niemals“ finde ich persönlich schon so dermaßen einschränkend, dass ich immer, wenn es sich in meine Gehirnwindungen einschleicht, hinterfrage. Warum denn niemals? Ich glaube, Menschen, die oftmals unreflektiert „Niemals“ sagen, haben einfach nur Angst. Angst sich von ihren (oftmals nur ubernommenen) Prinzipien zu trennen, die ihnen ihre für ihr Leben notwendige Sicherheit zu geben scheinen. „Ich ändere mich niemals!“ Gähn!! Langweilig! Wo wäre die Menschheit, wenn es nicht immer Leute gegeben hätte, die Neues wagen und Grenzen und Komfortzonen überschreiten? Plumpsklo richtig konstruiert: Top! Rumgsmmeln und mal den Moment so richtig genießen: Top! Trotzdem aktiv sein? Top! Alles hat sein Recht, alles zu seiner Zeit. Das macht das Leben aufregend und schön!
    Noch ein schönes Wochenende mit vielen neuen Erkenntnissen! 🙂

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    • Danke für deinen Kommentar. Ja, jetzt wo du es sagst… ich finde solche „Niemals“-Menschen oft auch sehr langweilig. Einerseits finde ich es zwar gut, wenn man gewisse Grundsätze hat (solche, die das Produkt eigener Abwägungen) sind und diese dann auch verteidigt – aber man sollte bereit sein, diese immer mal wieder auf Ihre Gültigkeit zu überprüfen 😉 .

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  3. Man gewöhnt sich eben an alles. 😉 Aber das Plumpsklo auf dem Bild sieht ja wirklich einladend und gemütlich aus. Da kenne ich andere. 😀
    Grüße über die nahe Landesgrenze in die ostwestfälische Provinz!

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    • Hallo Lena! Ja, das ist wirklich ein Vorzeige-Plumpsklo – aber nicht ungewöhnlich für ein finnisches Sommerhaus 🙂 . Momentan wohne ich übrigens in Südniedersachsen – aber nach OWL verschlägt es mich trotzdem noch häufig 😉 .

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  4. Dein Beitrag war echt witzig. 🙂 Mein Freund kommt auch aus Ostwestfalen und ich nehme ihn regelmäßig mit zu meiner Familie. Traditionell hat in Ostbrandenburg auch noch fast jedes Grundstück und jeder Garten ein Plumpsklo. Ich bin damit aufgewachsen, das ist völlig normal für mich. 😉 Und da die Ossis ja bekanntlich FKK mögen, hatte ich auch noch nie Probleme mit Saunagängen. Aber mit dem Nichtstun könnte ich mich nur schwer anfreunden, ich finde Nichtstun nämlich anstrengend, weil ich von Natur aus immer was entdecken will. LG Myriam

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    • Hallo Myriam, danke, habe mich über deinen Kommentar gefreut :-)! Brandenburg ist ein tolles Bundesland, ich mag die Weite. Dass dort fast jeder ein eigenes Plumsklo hat, hätte ich aber so gar nicht vermutet!

      Nichtstun bedeutet für mich übrigens nicht, nichts zu entdecken, aber es sind oft Entdeckungen in die Tiefe statt in die Weite. Das geht aber natürlich nur an inspirierenden

      LG, Heike

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