Ein paar Tage im Herbst an der deutschen Ostseeküste. Reflexionen.

Über den 3. Oktober waren wir ein paar Tage mit meinen Eltern an der Ostsee. Warum an der Ostsee? Das war tatsächlich eher Zufall. In das kleine Dorf zwischen Priwall und Boltenhagen hatte es uns eigentlich hauptsächlich deshalb verschlagen, weil mein Papa seit einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt. Die Suche nach einem geeigneten Urlaubsziel richtete sich somit nämlich in erster Linie nach der Frage: „Wo finden wir eine schöne rollstuhlgeeignete Unterkunft?“. Da ist die Auswahl doch deutlich geringer als man vielleicht so denkt. Zumal wir auch einen gewissen Anspruch haben und die Reise ein Geschenk war.

Ein Haus, das alle Ansprüche erfüllte, habe ich nach langer Internetrecherche in besagtem Ostseedorf gefunden. Der Übernachtungspreis lag zwar deutlich über unserem normalen Budget… aber das haben wir dann zähneknirschend in Kauf genommen.

Vom Haus wurden wir auch nicht enttäuscht. Besonders die Einrichtung mit viel Holz und Naturmaterialien hat mir extrem gut gefallen. Und das Beste zu dieser Jahreszeit war natürlich der Kamin.

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Aber ansonsten weiß ich gerade noch nicht so richtig, welche Meinung ich zur Umgebung bzw. Region habe. Mein erster Eindruck war nämlich recht ernüchternd. Ackermonotonie soweit das Auge reicht. Und in den Touristenorten war es mir viel zu voll. Ganz schlimm war Travemünde. Dort schoben sich Menschenmassen die gesamte Hafen- und Strandpromenade entlang, es gab Fressbuden und Kitsch an jeder Ecke, übertönt von Schlagermusik.

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Boltenhagen und Travemünde. Jede Menge Plaster, Kitsch und Touris…

In Boltenhagen war es dagegen (wochentags) vergleichsweise ruhig. Aber nur vergleichsweise, denn auch hier gab es im Zentrum genügend Kitsch und Fressbuden. Und die Rollatordichte war enorm. Kein Wunder, hier kann man ja auch mit Rollstuhl und Rollator bequem die Seebrücke hochfahren und parallel zum Strand gibt es zwei ebenfalls gut passierbare, kilometerlange Promenadewege. Deshalb waren wir ja schließlich auch dort… Aus Eigeninteresse würde ich aber kein zweites Mal hinfahren.

Unsere Autofahrten führten uns durch besagte Ackerlandschaften. Manchmal habe ich mich natürlich gefragt,  ob ich insgesamt zu kritisch bin. Wir hatten meist bewölktes, zum Teil auch windiges Wetter. Die Felder waren gerade abgeerntet. Die Herbstfärbung hatte noch nicht richtig begonnen. Unter diesen Bedingungen präsentiert sich keine Region im besten Licht. Im Frühjahr und Frühsommer sieht alles sicherlich viel einladender aus. Und wegen des Rollstuhls (ein extrem schwergängiges Exemplar…) konnten wir auch nicht viel laufen gehen, schon gar nicht abseits der Hauptwege. Vielleicht haben wir deshalb einiges verpasst. Nein, mein Eindruck ist sicher nicht ganz objektiv. Trotzdem habe ich Wald und naturbelassene Wiesen vermisst…

Aber es gab ja noch das Meer. Eigentlich die Hauptattraktion. Und ja, die Naturstrände haben mir dann doch gefallen. Sehr sogar. Sauber, sandig, teils mit kleinen dünenähnlichen Buchten, gesäumt von Sanddornbüschen und jetzt im Herbst auch ziemlich menschenleer. Wenn da nur nicht der Rollstuhl wäre… Mit dem kommt man nämlich nicht durch den Sand. Aber dafür kann der Strand ja nichts.

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Dass es Einschränkungen geben würde, war bereits im Vornherein bekannt. Hauptziel dieses Urlaubs war, endlich mal wieder gemeinsam wegzufahren. Vor ein paar Jahren hätte noch keiner zu hoffen gewagt, dass das mal wieder möglich sein würde. Aber es klappte alles richtig gut. Von daher: Mission erfüllt.

Ob es mich alleine oder zu zweit mal wieder in die Region verschlagen wird, wird sich zeigen. Um Travemünde & Co. werde ich aber wahrscheinlich einen großen Bogen machen 😉 .

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6 Gedanken zu “Ein paar Tage im Herbst an der deutschen Ostseeküste. Reflexionen.

  1. Irgendwie macht mich dein Beitrag gerade sehr traurig. Ich war als kleines Kind in Travemünde. Die Bilder habe ich heute noch im Kopf. Ich war damals so verzaubert, es war, zumindest in meiner Erinnerung, noch nicht überlaufen. Irgendwie hat man das Gefühl, dass so viele Orte durch Massentourismus kaputt gemacht werden. Das macht mich traurig. Die Strandbilder waren wunderschön.
    Liebe Grüsse,
    Isabelle

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  2. Vielleicht das nächste Mal nach Pelzerhaken oder Timmendorfer Strand etc. fahren. 🙂 Die Ecke kann ich sehr empfehlen, besonders Pelzerhaken. War da schon einige Male und liebe es dort. ☺
    Auf jeden Fall solltest du der Ostsee noch eine zweite Chance geben. 🙂

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    • Hej Isabel, Pelzerhaken kenne ich noch nicht. In Timmendorfer Strand bin ich vor ein paar Jahren mal kurz gewesen – das war mir ehrlich gesagt auch zu verbaut. Die Geschmäcker sind verschieden 🙂 . Aber sicherlich gibt es noch eine zweite Chance, man kommt ja doch immer wieder an die See 😉 ,

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  3. oh, dass es dort so touristenwahnsinnig ist hätte ich nicht gedacht. aber schön, dass ihr es trotzdem schön hattet und dass ihr euch diesen wunsch erfüllen konntet, das war ja das wichtigste an der sache! das haus sieht wirklich super aus und die strände auch!

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