Blogparade: Wie weit darf Fotobearbeitung gehen?

Thomas von reisen-fotografie.de hat aufgerufen zur Blogparade:

Wie weit darf Fotobearbeitung gehen?

Hach, dieses Thema schreit mir aus dem Herzen und deshalb muss ich unbedingt mitmachen!  Es ist nicht so, dass ich bearbeitete Bilder grundsätzlich nicht schön finde – aber mir geht es ganz wie Ulrike, die bei Thomas zu den bearbeiteten Fotos einer Fotobearbeitungschallenge kommentiert hatte:

[…] Die vielen unterschiedlichen Ergebnisse machen mich nachdenklich. Welches Foto gibt einen authentischen Eindruck wider? Sind sie alle eine Interpretation, also nicht das Original?  […]

Wie weit die Fotobearbeitung gehen darf, das hängt sicherlich damit zusammen, welches Ziel man als Fotograf verfolgt. Möchte man möglichst schöne Fotos machen, Szenen möglichst beeindruckend darstellen, möchte man bestimmte Stimmungen versuchen fotografisch auszudrücken oder möchte man die Realität einfangen?

liitteri

Wenn man sich das Ziel gesetzt hat möglichst schöne, beeindruckende, stimmungsvolle Fotos zu produzieren, gibt es bei der Fotobearbeitung meiner Meinung nach keine Grenzen. Für mich als Reiseblogger (und auch generell) sollen meine Fotos aber eher eine möglichst originalgetreue Abbildung der Realität darstellen, sie sollen dokumentieren. Das ist für mich die Stärke der Fotografie.

Ja, und wenn es darum geht, die Realität bzw. einen Eindruck davon einzufangen muss man ganz vorsichtig sein mit der Bildbearbeitung – und geschickt!

Die automatische Bildverarbeitung der Kameras liefert oft nicht immer das beste Ergebnis. Durch die Aufnahme im RAW-Format hat man die Möglichkeit, das Foto so zu entwickeln, wie es der Realität am nächsten kommt.

rantakukka

Theoretisch. Für mich ist das aber nichts. Jedenfalls noch nicht. Ich habe letzten Sommer zum ersten Mal in RAW-fotografiert. Die Bilder haben fast den ganzen Speicherplatz auf meinem Laptop in Anspruch genommen, jegliche Änderung an der Rawdatei hat Ewigkeiten gedauert (dabei ist mein Laptop erst 5 Jahre alt) und das schlimmste: Ich konnte mich nicht entscheiden! So viele Einstellungen sahen gut aus – aber welche Einstellung ist am nächsten an der Realität? Ich habe ewig überlegt und mich dann für irgendwas entschieden, war aber unzufrieden damit, weil ich immer im Hinterkopf hatte, dass einige der anderen Alternativen ja vielleicht doch näher an der Realität waren.

Deshalb habe ich das mit dem RAW-Format erstmal wieder sein gelassen und vertraue auf die Fähigkeit meiner Kamera, die Fotos gut zu entwickeln. Wenn ich bei der Aufnahme mit dem Weißableich unzufrieden bin, lasse ich den Wert manuell bestimmen und verwende dann diesen Wert.

kapustasalmi

Mal von der Entwicklung abgesehen, sind Bearbeitungen im eigentlichen Sinne meiner Meinung nach für dokumentarische Bilder meist nicht notwendig. Ich bin ja der Meinung, dass ein guter Fotograf schon in dem Augenblick, in dem er das Bild schießt, darauf achtet, dass Belichtung, Perspektive etc. stimmig sind. Klar, das gelingt nicht immer und es spricht nichts dagegen, ein Bild nochmal horizontal auszurichten, ein klein wenig nachzuschärfen, etwas Schatten rauszunehmen…  das Bild soll ja schließlich zum Betrachten einladen. Aber sonst?

hevosniitty

Vielleicht fehlt mir auch einfach das Wissen, aber ich finde mehr braucht man nicht für ein gelungenes dokumentarisches Bild. Alles weitere an Bearbeitungen ist für mich Kunst – manchmal schön, manchmal weniger schön. Für einen philosophischen Blog mögen solche Fotos passen. In Reiseblogs möchte ich aber eigentlich erfahren, wie es in den unterschiedlichen Regionen der Erde aussieht. Deshalb schaue ich mir in solchen Blogs gerne unbearbeitete Bilder an – oder Bilder, die so gekonnt bearbeitet sind, dass ich es nicht merke 🙂 . Sobald ich einem Bild die Bearbeitung deutlich ansehe, fühle ich mich irgendwie fast ein bisschen belogen: ich habe das Gefühl, dass man mir die Wahrheit im wahrsten Sinne des Wortes schönfärbt.

Also könnte man mein Fazit so formulieren: Wenn ich als unbeteiligter Betrachter Fotos von eher dokumentarischem Charakter ansehe, dass am Bild manipuliert wurde, geht es für mich zu weit.

(Illustriert ist dieser Beitrag mit einigen – überraschung, überraschung 😉 – weitgehend unbearbeiteten  Fotos aus dem ostfinnischen Seengebiet)

sairila

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9 Gedanken zu “Blogparade: Wie weit darf Fotobearbeitung gehen?

  1. Hallo Heike,

    vielen Dank für Deinen Beitrag zu unserer Blogparade.

    Du schreibst viele wichtige Dinge. Wenn ich Bilder für Reiseberichte bearbeite, dann nur sehr dezent. Ich entwickle meine RAW-Dateien beim Import bereits über ein Preset. Die in der Voreinstellung gespeicherten Einstellungen machen aus dem RAW bereits ein ansprechendes Foto. Ich korrigiere dann meistens nur ein paar Lichter, Kontraste und andere Kleinigkeiten. Ich retuschiere z.B. nichts weg. Wenn da eine Stromleitung ist, dann ist da halt eine Stromleitung.

    Anders sieht das bei unseren Fotoberichten aus, wo ich Bilder nach meinen Stil schon anders bearbeite. Aber dabei geht es ja eben darum, genau die Bilder mit ihren Effekten zu zeigen.

    Eine ganz wichtige Sache sprichst Du noch an. Die beste Bearbeitung kann ein vermurkstes Bild nicht retten. Das Bild aus der Kamera sollte als technisch sauber sein (Schärfe) und einen sinnvollen Bildaufbau besitzen. Bei diesen Dingen kann man später nur noch die Details verbessern und zur Wirkung bringen. Bei der Belichtung ist es aber so, dass mir bei schwierigen Lichtverhältnissen das RAW-Format schon oft das Bild gerettet hat. Hier ist eine der Stärken des RAWs, da kann man das Unvermögen des Fotografen (also meines) schon mal ordentlich korrigieren.

    Der Preis dafür ist aber die Speichermenge, keine Frage und natürlich der Mehraufwand für die digitale Entwicklung.

    LG Thomas

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Thomas,

      danke für deinen Kommentar! Bei mir ist das Problem mit den RAW-Bildern halt einfach auch, dass mein Bearbeitungsprogram (Nikon View NX2) so langsam ist und ich die meiste Zeit einfach nur warte. Mit Lightroom soll es wohl schneller gehen…

      Eventuell werde ich bei schwierigen Lichtverhältnissen mal gezielt auf RAW umstellen, aber generell finde ich JPEG einfach praktischer, sodass das wohl erstmal meine Standardaufnahmemethode bleiben wird ;).

      LG,
      Heike

      P.S. Bei Nikon View NX2 werden automatisch Presets verwendet, oder?

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  2. Zu meiner ersten DSLR schaffte ich mir einen leistungsfähigen Mac plus PS vor über zehn Jahren an. Von Beginn an knipste ich ausschließlich im Raw-Format und programmierte einige Routinen als Aktionen, etwa die automatische Erzeugung von sechs Luminanzmasken. Die Einarbeitung in PS dauerte viele Monate, aber der zeitliche Aufwand hat sich gelohnt. Vor fünf Jahren erwarb ich aus gestalterischen Gründen eine sogenannte Vollformat Digicam, deren Datensatz viermal so groß ausfällt. Der Dual G5 war inzwischen aufgebraucht, sodaß ich die Nachbearbeitung am kleinen Powerbook G4 vornehmen musste, nun war sehr viel Geduld gefragt.

    Dieses Jahr bereiste ich die Bretagne und hatte nur meine betagte SLR mit einer Optik (die übrigen Linsen blieben im Schrank) im Reisegepäck. Die Kodak Filme transportierte ich in einer Kühltasche und lagerte sie vor Ort im Kühlschrank unserer Unterkunft. Wieder Zuhause übergab ich die belichteten Filme einem Fachlabor und ließ Abzüge im Format 10×15 cm ausbelichten. Eine Auswahl davon landete in einem neuen Fotoalbum – ganz ohne jegliche Fotonachbearbeitung!

    Wenn ich zur Aufnahme mit der DSLR sorgfältig belichte (ETTR, Weißabgleich), die Scharfzeichnung komplett abschalte sowie den voreingestellten Kontrast reduziere, klappt es prima im JPEG Format (Picture Style Neutral) – ohne weitere Bildbearbeitung am Rechner. Für Abzüge im Format 10×15 cm sollten die Vorlagen auf 1200 x 1800 Pixel verkleinert werden, da die Laserprinter für 300 dpi konfiguriert sind. Leider gibt es PS nur noch zur Miete online, um aktuelle RAWs zu verarbeiten. Aber es funktioniert ja auch bestens mit JPEG, wenn zur Aufnahmezeit sorgfältig gearbeitet wurde …

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    • Danke für deinen Kommentar. Das hört sich für mich so an, als ob deine Quintessenz ist, dass man mit einfachen Mitteln eigentlich auch klarkommt?

      Das mit der Verkleinerung fürs Format 10 x 15 war mir gar nicht so bewusst… man lernt nie aus.

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      • Gute Fotos kommen immer ohne jegliche Nachbearbeitung aus! Das galt auch schon zu analogen Zeiten: „Ich persönlich konnte nur sehr selten ein Photo beschneiden und damit verbessern. Wenn es schlecht ist, bleiben die geometrischen Bezüge im Inneren des Rahmens schwach, auch wenn man hier und da ein Stück wegnimmt. Um die Wirklichkeit zu betrachten, braucht man Strenge im Blick und Einfachheit.“ (Henri Cartier-Bresson, 1951)

        Deine Landschaftsfotografien im Blog zeigen wenig, aber das verständlich – Klasse!

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