Osterauszeit in der Ruppiner Schweiz

Über Ostern hatten wir das dringende Bedürfnis nach einem Kurzurlaub. Viel Zeit hatten wir nicht, denn nur Karfreitag bis Ostermontag standen zur Verfügung. Also durfte das potentielle Reiseziel nicht allzu weit entfernt liegen. Fest stand nur, dass es irgendwohin gehen sollte, wo wir uns an die Weiten des Nordens erinnert fühlen. Schlussendlich landeten wir bei Neuruppin in Brandenburg.

Wir haben es nicht bereut. Die Ruppiner Schweiz hat wunderschöne Natur zu bieten, preußische Geschichte, Wellnessoasen und unverschämt gute Cupcakes 😉 .

Aber mal der Reihe nach. Übernachtet haben wir im Hotel Boltenmühle, auf das wir eigentlich nur gestoßen sind, weil viele andere Unterkünfte schon ausgebucht waren. Aber manchmal stellt sich die zweite Wahl eben doch als die beste Wahl heraus. Als wir jedenfalls am Gründonnerstag nach einer ziemlichen Odyssee (und heillos verspätet) gegen 23:00 von der Landstraße auf den kleinen Waldweg abbogen, der uns zur Boltenmühle führen sollte, hatte ich gleich das Gefühl, dass uns ein magisch schöner Ort erwartet. Und als dann 5 km später die Hotelbeleuchtung das Finster des Waldes unterbrach und wir das malerische Fachwerkhausensemble mit Bächlein und plätscherndem Mühlrad erreichten, war ich sofort verzaubert.

Die Lage ist wirklich ein Traum. Zwar war die Vegetation noch im Winterkleid (kaum zu glauben jetzt, wo alles grün ist!), aber man konnte bereits erahnen, wie zauberhaft es hier erst im Sommer sein muss. Direkt vom Balkon blickte man auf den Tornowsee und im Norden, nur etwa 1 km Fußweg entfernt, liegt der Kalksee. In der wärmeren Jahreszeit stehen Kajaks und Fahrräder zum Verleih. Zahlreiche Wanderwege starten direkt vom Hotelgelände aus. Dank der abgeschotteten Lage ist es hier ganz besonders still – herrlich!

Unser Hotelzimmer kommt auf den Fotos ein bisschen altbacken rüber – typisch deutscher Stil mit Landhaustouch. Aber in Wirklichkeit war es angenehm, groß, sauber und warm. Ebenso wie das Bad. Weniger angenehm war das Bett. Es war zwar nicht durchgelegen, aber einfach unbequem. Unser Nachtschlaf hätte deutlich besser sein können…

Zum Hotel Boltenmühle gehört auch ein eigener Wellnessbereich – einer der Hauptgründe, warum wir hier gelandet waren. Der Wellnessbereich befindet sich in einem separaten Gebäude und scheint noch etwas neuer zu sein. Es gibt ein Soleschwimmbecken mit 34°C warmem Wasser, eine finnische Sauna und ein Dampfbad. Ich hatte mich auf das alles so sehr gefreut, aber leider kam in den ersten Tagen immer was dazwischen und ich fühlte mich meistens auch recht erschöpft (was unter anderem dem harten Hotelbett zu verdanken war!). Am letzten Abend raffte ich mich jedoch endlich auf und bereute es natürlich sofort, nicht früher den Wellnessbereich genutzt zu haben. Er war nämlich wirklich schön. Das Solewasser war wunderbar warm und auch die Sauna und das Dampfbad waren sehr einladend gestaltet. Man durfte auch selbst Aufguss machen, weil es keinen Saunameister gab (yeah!). Insgesamt ist der Wellnessbereich zwar nicht sonderlich groß, aber selbst am Osterwochenende, wo das Hotel ausgebucht war, war es immer leer, nur max. 1-2 Personen waren im Wasser (das konnte man von außen ganz gut beobachten).

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Wellnesgebäude mit Sauna-See

Ich will aber auch nicht unerwähnt lassen, dass das Schwimmbecken von vielen Hotelgästen als FKK-Bereich genutzt wird – fand ich doch etwas gewöhnungsbedürftig…

Zur Boltenmühle gehört natürlich auch ein Restaurant, welches uns aber ehrlich gesagt nicht überzeugt hat. Ich esse ja am liebsten vegan, aber meine Anfrage, ob man mir zum Frühstück ein paar vegane Alternativen zur Verfügung stellen könnte, wurde geradeaus verneint. Dafür habe ich  kein Verständnis, wir haben schließlich Hunderte Euros dort gelassen. Außerdem habe ich beste Erfahrungen in anderen Pensionen gemacht haben, die sich wirklich rührend ins Zeug gelegt haben und mir viel mehr angeboten haben, als ich jemals erhofft hätte – und alles ganz selbstverständlich und ohne Zusatzkosten.

Das Frühstücksbuffet bot zwar eine große Auswahl, war aber schon um 8:30 durcheinandergewühlt. Die Brötchen waren einfach nur aufgebacken, es mangelte an frischem Gemüse und alles andere sah eben sehr schnell nicht mehr appetitlich aus. Einmal haben wir im Restaurant zu Abend gegessen – aber auch das hat uns nicht überzeugt.

Trotz der harten Betten und des mittelmäßigen Restaurants ist uns die Boltenmühle aber in guter Erinnerung geblieben. Allein schon wegen der Lage würde ich sofort wiederkommen…

Auch sonst gibt es in Neuruppin und Umgebung einiges zu erleben. Ein absolutes Must-Do war für uns ein Besuch der Fontane-Therme. In irgendeiner Zeitschrift hatte ich gelesen, dass die Fontane-Therme zu den 10 besten SPAS in Deutschland gekürt wurde und deshalb wollten wir ihr unbedingt einen Besuch abstatten. Wir hatten zwar schon im Internet gesehen, dass die Eintrittspreise unverschämt hoch waren, aber erst vor Ort realisierten wir, dass eine Tageskarte pro Person 45 EUR kosten sollte. Eine 3-Stundenkarte sollte 35 EUR kosten. Bei allem Enthusiasmus, aber das war einfach zu viel. Andererseits waren wir wirklich neugierig auf die Therme… Glücklicherweise gab es noch das  „Kurz mal rein“-Ticket, das für 1,5 Stunden gültig war und 15 EUR kostete. 1,5 Stunden waren zwar eigentlich zu wenig Zeit, aber im Nachhinein waren wir trotzdem froh, das Angebot genutzt zu haben.

Den Badebereich im Untergeschoss hatten wir ausgelassen und uns nur auf den Saunabereich im Obergeschoss konzentriert. Unbedingt wollte ich natürlich in die Seesauna mit Blick auf den Ruppiner See! Um es vorweg zu nehmen: der Saunabereich ist wirklich toll. Die Fontane-Therme ist klein, aber fein. Sie ist noch noch ziemlich neu und im dunklen und eckigen Stil der modernen Thermalbäder gebaut. Sehr positiv waren die Sauberkeit, die Leere (kaum Leute dort am Ostersamstag!), die tollen Erlebnisduschen und Duschtunnel und das sehr zuvorkommende Personal. Von zu Hause sind wir schnippisches, pseudo-cooles Saunapersonal gewöhnt, das in vollständiger Sportbekleidungsmontur (inklusive Sneakers und Tennisssocken) bei 100°C Aufgüsse macht und nervige Sprüche ablässt. In der Fontane-Therme hingegen war das Saunapersonal auch nur mit einem Handtuch o.Ä. bekleidet, sehr freundlich und vor allem irgendwie natürlicher. Die Seesauna mit dem riesigen Panoramafenster auf den Neuruppinersee und den Schaukeln ist wirklich außergewöhnlich. Für eine Abkühlung im See war es mir dann aber doch zu kalt.

Ganz in der Nähe der Fontane-Therme direkt an der Seepromenade befindet sich ein weiteres Highlight: Gerda’s Cupcake Café. Die Cupcakes dort sind ein Gedicht und das Beste: Es gab sogar vegane Blaubeercupcakes! Soja-Kakao war auch überhaupt kein Problem. Wenn ich mir die Fotos anschaue, läuft mir schon wieder das Wasser im Mund zusammen:

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Mmmmmjammmm….
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Die Seepromenade von Neuruppin. Hier befinden sich die Fontane-Therme und Gerda’s Cupcakes

Mit veganen Cupcakes in Neuruppin hatte ich ebenso wenig gerechnet wie mit veganem Eis in Rheinsberg. In Rheinsberg bietet die Eis-Zauberei neben Bio-Eis auf Kuhmilchbasis auch veganes Reismilcheis. Ich las das Schild nur durch Zufall im Vorbeigehen, aber musste das später natürlich ausprobieren. Wie das ganze System der EiZ-Zauberei funktioniert, welche Sorten es in vegan gibt und welche nicht, habe ich ehrlich gesagt nicht ganz durchschaut, aber immerhin den veganen Eisbecher getestet. Ganz ehrlich: Er war schon schmackhaft, aber ich hatte trotzdem noch ein bisschen mehr erwartet für 4,50 EUR (groß war der nämlich nicht). Trotzdem wunderbar, dass vegane Alternativen immer üblicher werden. Ich habe mal nachgeschaut, Filialen der Eis-Zauberei gibt es bislang vor allem in den neuen Bundesländern.

Ich könnte jetzt auch noch über unseren Besuch des Schlosses Rheinsberg oder des Preußen-Museums in Wustrau schreiben. Aber das lasse ich lieber sein, denn wir sind keine typischen Museumsgänger und werden es wohl auch nie werden. Am liebsten lerne ich eine Region durch eigene Beobachtung kennen. Deshalb sind wir auch recht viel mit dem Auto herumgefahren.

Dabei haben wir nicht nur typisch preußische Dörfer mit großzügigen, breiten Straßen, endlose Alleen und schöne Landschaften gesehen, sondern leider auch den ein oder anderen missbilligenden Blick geerntet. Wir waren diesmal mit einem Mietwagen unterwegs – mit HH-Kennzeichen. Das schien insbesondere einer Dorftruppe so gar nicht zu passen und wir wurden mit bitterbösen Blicken und Gesten bedacht, obwohl wir doch vorschriftsmäßig angehalten hatten, um sie über die Straße zu lassen. Ist leider nicht das erste Mal, dass uns das mit auswärtigem Kennzeichen in den neuen Bundesländern passiert. Bei mir kam das so an wie: „Da kommen schon wieder die reichen Wessis aus Hamburg und schauen sich unsere Armut an!“. Mich macht das wütend und traurig. Ich verstehe nicht, warum es diese Ost-West Barriere noch immer in den Köpfen gibt.

Dabei muss ich mich immer daran erinnern, dass es sich um Ausnahmen handelte. An allen anderen Orten wurden wir ausnahmslos freundlich behandelt. Und auch deshalb ist uns dieser Urlaub in positiver Erinnerung geblieben. Wir konnten in der wald- und seenreichen Umgebung der Boltenmühle wunderbar entspannen und waren ziemlich traurig, als es am Abend des Ostermontags wieder zurück in Richtung Südwesten und Richtung Arbeit ging ;).

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4 Gedanken zu “Osterauszeit in der Ruppiner Schweiz

  1. Sehr schön geschrieben und tolle Fotos. In der Gegend um Rheinsberg und Neuruppin sind wir auch gern unterwegs. Im vergangenen Jahr haben wir eine irre Paddelstrecke ab Rheinsberg gefunden. Brandenburg hat wirklich wunderschöne Ecken und die Knallköppe gibt es überall. Einfach ignorieren. Viele Grüße, Ines

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    • Hallo Ines, danke für deinen Kommentar :)! Ja, Brandenburg ist wirklich schön und wir werden dort sicherlich noch weitere Kurzurlaube verbringen. Zum Padden sind wir noch nicht gekomme, aber ich stelle es mir sehr schön vor.

      Viele Grüße,
      Heike

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