Sturm, Regen und Luksusboller – Kurzurlaub in Hvide Sande

Ende Mai/Anfang Juni waren wir für 4 Tage in Dänemark, genauer gesagt in Hvide Sande, das auf einer schmalen Landzunge zwischen Nordsee und Ringkøbing-Fjord liegt.

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Aktives Sightseeing haben wir nicht betrieben, da ich einfach nur entspannen und „ganz normal“ in Dänemark sein wollte.

Das hier ist mein persönliches Urlaubs-Fazit in Kurzform:

  • Das „Dänemark-Gefühl“ beginnt direkt hinter der Bundesgrenze

Die Straßen sind so neu, der Verkehr fließt so gut (Hinfahrt auf der A7 war ab Hamburg eine Katastrophe…), die kleinen Dörfer und Landsitze, die wir passieren, wirken so liebevoll gepflegt und friedlich… alles ist irgendwie weniger hektisch und sauberer. Zu meinem Erstaunen stellen wir fest, dass sogar die Vegetation an den Straßenrändern in Dänemark anders aussieht als in Deutschland. Seltsam, oder? Der Naturraum ist ja 20 km hinter der Grenze schließlich noch derselbe. Meine zusammengebastelte Erklärung lautet so, dass in Dänemark häufiger gemäht wird und somit mehr Kräuter und Blumen am Wegrand wachsen als in Deutschland, wo die Vegetation eher hoch wächst und von konkurrenzstarken Gräsern dominiert wird (öhm.. findet ihr Leser diese Frage eigentlich auch so spannend wie ich?).

  • Hvide Sande ist fest in deutscher Hand

In Geschäften wird man auf Deutsch angesprochen, die lokale Buchhandlung führt mehr deutsche als dänische Literatur und auf der Straße grüßt man sich mit „Hallo“. Ich hätte aber vorgewarnt sein können, denn ein geschätzter, einstiger dänischer Kollege hatte mich vor einigen Jahren bereits mit einem Augenzwinkern darauf hingeweisen, dass ich nach Hvide Sande fahren muss, wenn ich mal Lust verspüren sollte, auf viele Landsleute zu treffen. Generell habe ich jedoch den Eindruck, dass die ganze dänische Nordseeküste fest in deutscher Hand ist… insofern ist es wahrscheinlich egal, wo man hinfährt.

  • Die Dänen verstehen was von Einrichtung, aber die Bausubstanz an sich lässt oft zu wünsche übrig (Kategorie „Bruchbude“)

Diese Erkenntnis ist mir nicht neu, wurde anhand unseres Ferienhauses aber mal wieder bestätigt. Als wir die Tür aufschlossen, strömte uns gleich ein altbekannter Geruch entgegen: dänischer Moderschimmel! Genauso wie in meiner damaligen Wohnung (die ich liebevoll „Kaschemme“ nannte). Insgesamt war die Bude superkalt, die Elektroleitungen steinzeitlich und aus dem Dach tropfte es auf unser Bett. Dem gegenüber stand eine geschmackvolle, moderne und liebevolle Inneneinrichtung. In Deutschland wäre es eher andersrum: stabiles Haus, aber wenig Geschmack bei der Inneneinrichtung…

  • Dänische Bäckereien sind göttlich

Ich bin so froh, dass es immer noch so ist! In Dänemark sind die Bäckereien weniger verkettet als in Norddeutschland, wo man fast überall nur noch denselben Einheitsbrei bekommt. Zugegeben, die Auswahl in Dänemark variiert auch nicht so sehr, aber dafür schmeckt es oft einfach fantastisch… In einer Bäckerei in Ringkøbing waren wir Stammkunden. Mein Favorit: Luksusboller (alleine schon wegen des Namens 🙂 ) – saftige Schokobrötchen wie man sie nur in Dänemark bekommt. R’s Favorit: Smørsnegle und Spandauer (ja, die heißen wirklich so).

  • Dänische Supermärkte sind viel besser als ihr Ruf

Ebenfalls bekannt, aber es kann nicht oft genug betont werden angesichts der Tatsache, dass es immer noch Landsleute gibt, die im Urlaub Lebensmitteln in Kühlboxen importieren – weil es „in Dänemark ja so teuer“ ist. Ich kann das ehrlich nicht bestätigen. Einiges ist etwas teurer, anderes nicht. In Finnland muss ich im Geschäft gefühlt immer deutlich tiefer in den Geldbeutel greifen. Abgesehen davon stöbere ich ganz gerne in dänischen Supermärkten, vor allem in SuperBrugsen, Bilka und Fødtex. Ich verbinde viele Erinnerungen damit, die Läden sind groß, sauber und modern und nicht zuletzt sprechen mich Auswahl und Geruch an (ja, Supermärkte riechen in der Tat in jedem Land anders…).

  • Dänische Ferienhausagenturen sind professionalisiert bis zum Geht-Nicht-Mehr

Offenbar läuft in Dänemark fast das gesamte Ferienhausgeschäft über Agenturen. So ist zwar ein reibungsloser Ablauf wahrscheinlich, aber persönlicher Service ist was anderes. Abkassiert wird, wo es nur geht. Strom, Wasser, Feuerholz, Bettwäsche, Endreinigung – nichts ist im Preis inbegriffen. Im Vergleich zu den Unterkünften, die wir in Deutschland (für 2 Personen) buchen, zahlen wir in Dänemark das Doppelte mit dem zusätzlichen Unterschied, dass in Deutschland alles oben Genannte schon im Preis inkludiert ist. Vorkasse und Kaution entfallen da ebenfalls. Muss man wohl einfach so akzeptieren. Aber dass die Agentur null Kulanz zeigte, obwohl es bei uns auf das Bett regnete (Zitat „Es tropfte ja nur, ihr konntet ja noch wohnen bleiben“), finde ich ein starkes Stück.

  • Die dänische Sprache ist einfach cool

Ich oute mich jetzt mal als Freund der dänischen Sprache. Einige witzeln, dass Dänisch klingt, als hätte man eine heiße Kartoffel im Mund. Okay, auf den ersten Blick klingt es wirklich etwas merkwürdig. Aber ich versichere euch: Das Nuscheln erfolgt nach bestimmten Regeln. Wenn man die einmal verstanden hat, ist Dänisch recht einfach zu verstehen. Und Dänisch ist ja so putzig! Ich muss nur das Radio aufdrehen und ich bekomme gute Laune von der Sprache. Und obwohl ich 4 Jahre so überhaupt kein Dänisch mehr gesprochen hatte, funktionierte die Kommunikation noch erstaunlich fluffig. Damit das auch so bleibt, habe ich meine (quasi nicht existente) dänische Literatursammlung um 5 Werke erweitet und auch die DVD-Sammlung wurde vergrößtert („Kapringen“ haben wir schon gesehen – richtig gut!).

  • Die Nordsee ist „speziell“…

Sagen wir es so: wir sind froh, dagewesen zu sein, aber zum richtig Entspannen bevorzugen wir trotzdem eher weniger raue Regionen. Ich wusste natürlich, dass Dänemark sehr windig ist, aber die Nordsee ist da nochmal ein ganzes Stückchen extremer als andere Gegenden.

  • Sofa und Kamin rulez…

Obwohl wir den Monat Juni schrieben, wurden uns neben Sturm (durchgehend Windstärke 8-9), auch Regen (heftigster Dauerregen nonstop an meinem Geburstag!) und ziemlich frische Temperaturen beschert. Wir waren deshalb sehr froh über a) den Kamin und b) die DVD-Sammlung im Ferienhaus.

DSC_0020Auch das ist dänischer Sommer…

DSC_0003Zum Glück hatten wir ein gemütlich eingerichtetes Wohnzimmer

DSC_0050Sofa und Kamin rulez.

DSC_0077Ein Teil meiner Einkaufsausbeute. Hoffentlich finde ich bald mal die Ruhe zum Lesen! Auf „En kongelig affære“ bin ich auch schon gespannt!

DSC_0058Hvide Sande ist fest in deutscher Hand…

DSC_0059Und das offensichtlich nicht erst seit heute!

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DSC_0063Wart ihr auch schonmal in Hvide Sande? Seid ihr eher Ostsee- oder Nordseetyp? Was gefällt euch an Dänemark und was nicht?

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8 Gedanken zu “Sturm, Regen und Luksusboller – Kurzurlaub in Hvide Sande

  1. Toll verpackte Infos ^^ ich glaube, ich war mit meinen Eltern als 4-5 Jährige 2x auf Fanö…danach kenne ich Dänemark nur von der Durchreise nach Schweden…ist aber vielleicht doch nochmal ne Reise wert…

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  2. Jetzt würde mich glatt mal interessieren, über welche Agentur Du gebucht hattest.
    Der Nordmann und ich waren ja bis vor 2 Jahren regelmäßig in Dänemark, jedesmal mit Dansommer, und wir waren immer höchst zufrieden. (Dass wir doch mal vorzeitig aufgebrochen sind, lag eher am unsererseits falsch gewählten Gebiet. Da konnte Dansommer nichts für. Als wir vorzeitig den Schlüssel zum Häuschen zurückgaben, zeigte man sich nicht nur erstaunt, sondern hakte auch intensiv nach, woran es lag und ob man irgendwas tun könnte, um unsere Ferien zu verbessern; man bot uns sogar ein anderes Häuschen an.)

    Die Lebensmittelpreise empfinde ich auch immer als recht hoch in Dk. Meist nehmen der Nordmann und ich das Wichtigste/Teuerste mit, also Grillgut und Getränke.
    Ansonsten finde ich Dk aber traumhaft. Alles so grün, so entspannt, so entschleunigt. Dänisch finde ich ebenfalls klasse, da stimme ich Dir zu. Aber ich mag Sprachen ja sowieso. :o)

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  3. Das war über Fe*iepa*tner.dk. Dansommer wäre unsere Alternative gewesen, aber da wir über ersteren Anbieter schon mal in einer anderen, weniger touristischen Region ein sehr schönes Haus hatten, sind wir lieber beim Altbekannten geblieben. Ich muss sagen, dass ich jetzt auch nicht angefangen habe zu debattieren mit der Frau im Vermittlungsbüro. Ich habe die Sache erklärt und gefragt, ob es eventuell möglich wäre, irgendeine kleine „Kompensation“ zu bekommen… aber da hat sie gleich völlig entschieden abgewunken und ich hatte das Gefühl, weiter zu diskutieren bringt nichts. Sie wollte auch keine Bilder sehen von dem Schaden, was ich merkwürdig fand, da sie den Vermietern eine E-Mail schreiben wollte. Wäre ja u.U. ganz hilfreich gewesen…

    Wegen Lebensmittelpreisen: Fleisch und Hochprozentiges stand ja nicht auf unserem Speiseplan (–> keine Ahnung wie da die Preise sind, kenne sie selbst in D nicht), Süßkrams nur in Maßen und den Rest fand ich durchaus bezahlbar 😉 . Richtig teuer finde ich Dienstleistungen, was ja auch nachvollziehbar ist wegen der sehr üppigen Gehälter in DK.

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    • Vor Ort debattieren, wenn das Gegenüber blockt, bringt auch in der Tat nichts. Aber von zuhause aus nochmal ein Beschwerdeschreiben/mail aufsetzen, inklusive Bildern und dann höflich, sachlich, aber bestimmt, ein bisschen Druck machen; das wirkt oft Wunder. 🙂
      Bei Regen aufs Bett hätte ich wohl schon gleich am zweiten Tag bei denen auf der Matte gestanden. In meinen Augen ist sowas untragbar.

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  4. Es war gottseidank wirklich nur am vorletzten Morgen, als es aufs Bett tropfte (…und später am Tag im Wohnzimmer auf den Kamin).

    Aber ja, eine Mail könnte man vielleicht nochmal aufsetzen. Es geht ja auch gar nicht darum, irgendwas Großes rauszuschlagen – aber wenn man so viel Geld da lässt, möchte man schon ernst genommen werden…

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